Naturschutz-Erfolg bei Deponie-Erweiterung im Plöger Steinbruch 13. Januar 202613. Januar 2026 Symbolbild eines Steinbruchs erstellt mit KI (https://muryou-aigazou.com/de) Die städtische Deponie Plöger Steinbruch wird erneut erweitert. Hintergrund der Erweiterung ist, dass das bestehende Deponievolumen spätestens 2026/2027 erschöpft sein wird. Die Stadt Velbert hatte daher im März 2022 einen Antrag auf Erweiterung gestellt, der rund 2,3 Millionen Kubikmeter zusätzliches Ablagerungsvolumen für z. B. Bauschutt und Bodenaushub (Deponieklasse I) auf etwa 10 Hektar Fläche vorsieht. Dies ist – unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen in Bezug auf die in der Region verfügbaren Deponiekapazitäten – unumgänglich. Denn die lokale Entsorgung von mineralischen Bauabfällen ist aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen zu bevorzugen, da es wenig sinnvoll wäre, diese Bauabfälle über weite Strecken – möglicherweise über mehrere hundert Kilometer – per LKW zu transportieren. Eine solche Vorgehensweise würde nicht nur die Umwelt zusätzlich belasten, sondern auch mit erheblichen logistischen und finanziellen Aufwänden einhergehen. Aus diesen Gründen haben wir der Erweiterung der Deponie bislang zugestimmt, obwohl damit zwangsläufig wertvolle Natur- und Landschaftsflächen überbaut werden müssen. Wir sind uns der damit verbundenen Eingriffe in das Landschaftsbild und den Naturhaushalt bewusst, sehen jedoch unter den aktuellen Bedingungen keine realistische Alternative. Die Grünen Velbert begrüßen daher, dass dieser Eingriff in Natur und Landschaft durch die Erweiterung nun größtenteils vor Ort ausgeglichen werden soll. „Durch Einwendungen der Umweltverbände, der Anwohner*innen und nicht zuletzt durch unseren politischen Druck ist es gelungen, die Eingriffe in Natur und Landschaft weitestgehend vor Ort auszugleichen“, freut sich Dr. Wolfgang Beckröge, langjähriges Mitglied der Grünen im Velberter Stadtrat und Vorsitzender des Ausschusses für Klima und Umwelt. Ursprünglich sah der Planfeststellungsantrag der Stadt deutlich geringere lokale Ausgleichsmaßnahmen vor. So hieß es in den Antragsunterlagen von März 2022: „In unmittelbarer Nähe des Eingriffsortes sind keine bzw. keine geeigneten Flächen zur Umsetzung des Kompensationsanspruches verfügbar. Die Recherche nach aufwertbaren Flächen im Stadtgebiet […] verlief negativ …“. Die Eingriffe sollten stattdessen durch eine Zahlung von Ersatzgeld an den Kreis Mettmann ausgeglichen werden. Wie sich nun zeigt, war diese Annahme jedoch vorschnell. Denn die erneute Prüfung ergab schließlich doch standortnahe Potenziale, die im nun ergangenen Planfeststellungsbeschluss als umfangreiche Kompensationsmaßnahmen im direkten Umfeld des Deponiegeländes sowie im übrigen Stadtgebiet festgeschrieben wurden. Geplant sind unter anderem: die Entwicklung artenreichen Extensivgrünlands auf vier Flächen (insgesamt rund 11 ha), Aufforstungen mit Laubholz auf drei bislang landwirtschaftlich genutzten Flächen (ca. 4 ha), fünf Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von Fließgewässern im Stadtgebiet, sowie die Anrechnung von Ökopunkten aus der Renaturierung der Deilbachaue, die bislang für das geplante Gewerbegebiet „Große Feld“ vorgesehen waren. Lediglich eine Ausgleichsfläche liegt außerhalb Velberts, in der Nachbarstadt Ratingen. „Besonders freuen wir uns, dass auch Maßnahmen an unseren Gewässern als Ausgleich anerkannt wurden. Dies unterstützt das EU-Ziel eines guten ökologischen Zustands unserer Gewässer“, erklärt Beckröge weiter. Die Einbeziehung von Gewässerrenaturierungen sei ein wichtiger Schritt, um dem Arten- und Gewässerschutz gerecht zu werden. Als Novum und besonders wichtigen Erfolg hebt die Grüne Fraktion eine Besonderheit der aktuellen Planung hervor: Knapp 9 Hektar bereits bestehender Ausgleichsflächen – einst für andere Eingriffe geschaffen – werden durch die neue Deponieerweiterung erneut in Anspruch genommen und überdeckt. Darunter befinden sich rund 6 ha aufgeforsteter Laubwald, der in den kommenden Jahren wieder abgeholzt werden muss. Die Genehmigungsbehörde hat hierzu Kritik aus den Eingaben im Verfahren übernommen. Im Planfeststellungsbeschluss heißt es dazu: „Der Anregung wird gefolgt.“ Damit wird der volle ökologische Verlust der überplanten Ausgleichsflächen anerkannt und muss entsprechend kompensiert werden. Insgesamt werten Bündnis 90/Die Grünen Velbert den Planfeststellungsbeschluss als wichtigen Erfolg für den Naturschutz. „Das Beispiel Plöger Steinbruch zeigt, dass sich hartnäckiges Engagement für Umweltbelange lohnt. Ohne den Druck der Verbände, von engagierten Bürger*innen und nicht zuletzt von uns Grünen hätte es diese umfassenden Ausgleichsmaßnahmen vor Ort wohl nicht gegeben“, resümiert Dr. Hans-Wilhelm Dorgarten, Mitglied des Fraktionsvorstands im Velberter Stadtrat. Man hoffe, dass dieses Ergebnis ein Zeichen für künftige Projekte setze: Eingriffe in Natur und Landschaft müssten konsequent nach dem Naturschutz-Prinzip „Vermeiden – Minimieren – Ausgleichen“ behandelt werden. Die Grünen kündigen an, die Umsetzung der zugesagten Maßnahmen aufmerksam zu begleiten, und danken allen beteiligten Bürger*innen und Organisationen für ihre Unterstützung im Verfahren.