Die „Alfred und Helga Barnhusen Stiftung“ zum Gewerbegebiet „Große Feld/Langenberger Straße“

Noch Natur, bald Beton: Ein Blick auf die Fläche des geplanten Gewerbegebiets „Große Feld/Langenberger Straße“

Die kritischen Stimmen zum geplanten Gewerbegebiet „Große Feld/Langenberger Straße“ mehren sich. Neben der Bürgerinitiative Große Feld Velbert e. V., Hunderten von Bürger-Einwänden gegen den Bebauungsplan, hat sich jetzt auch die Alfred und Helga Barnhusen Stiftung an die Ratsmitglieder gewandt.

Mit Genehmigung der Alfred und Helga Barnhusen Stiftung veröffentlichen wir die E-Mail an die Ratsmitglieder (leicht gekürzt).

Sehr geehrte Ratsmitglieder,

wollen Sie wirklich dem neuen Gewerbegebiet Langenberger Straße „Große Feld“ ihre Zustimmung geben??? Firma HUF verkleinert sich drastisch, hier wurde seinerzeit zu Gunsten der Firma HUF die Güterstraße in eine Sackgasse umgewandelt. Firma Witte hat die Produktion schon teilweise ins Ausland verlagert.

Zum großen Bedauern des Bürgermeisters Herrn Dirk Lukrafka in der WAZ über die Rückkehr der Firma R+M De Wit GmbH wieder nach Heiligenhaus, stellen wir uns die Frage, wäre eine Fläche von über 22000qm auf dem großen Feld realisierbar?

In welcher Größenordnung kann hier ein Investor problemlos bauen? (Topographie des Geländes)? Wer übernimmt die Verantwortung, wenn Menschen durch Bodeneinbrüche körperlichen Schaden nehmen? […]

Alle Welt spricht von Klimawandel, Kinder und Jugendliche gehen auf die Straße, haben Angst um ihre Zukunft und nur in Velbert wird der Anschein erweckt, diese Stadt bleibt vom Klimawandel verschont!

Warum soll hier eine weitere grüne Lunge am Ortseingang Velbert Ost zerstört werden (Luftschneise)? Wenigstens ein Beitrag zum Klimaschutz seitens der Stadt Velbert wäre hier auf die weitere Bodenversiegelung von 150.000qm zu verzichten, wie bereits vor Jahren auf die Erweiterung des Industriegebietes Röbbeck.

Was wird durch den evtl. Beschluss (Zustimmung) dieses Gewerbegebietes den Bürgern im Osten der Stadt noch zugemutet? Die Langenberger Straße von der Firma Emka aus angefangen bis zur Einmündung Röbbeck, befinden sich schon größtenteils Gewerbegebiete. Die links parallel zur Langenberger Straße laufende Industriestraße, reines Gewerbegebiet, endet in der Röbbeck.

Zur rechten Seite Lieversfeld (Gewerbegebiet) wurde durch ein in Auftrag gegebenes Gutachten der Stadt Velbert als eine der lautesten Straßen in Velbert bezeichnet.

In diesem Gutachten wurde ausdrücklich daraus hingewiesen, dass die Bürger der angrenzenden Straßen, Brangenberger Staße und Am Lieversholz, dadurch einer Gefährdung von Herz-und Kreislauferkrankungen  ausgesetzt werden.

Kommt dann noch das Sportstadion mit ca. 5000 Besuchern hinzu, werden die Bürger bei Veranstaltungen noch weit höherem Lärm ausgesetzt.

Weiter zu bedenken sind:

  • Die Einnahmen durch Grundstücksverkäufe werden nicht einmal zur Deckung der Erschließungskosten von bisher circa *20 Mio. Euro* ausreichen (siehe unten).
  • Wenn ortsansässige Firmen umsiedeln, ergeben sich dadurch keine nennenswerten Änderungen der Gewerbesteuereinnahmen.
  • Zudem werden die Unternehmen ihre Investitionskosten über viele Jahre steuerlich abschreiben, was zu massiven Steuerausfällen führen wird.
  • Auch die Umsiedlung hier ansässiger Unternehmen ist ungewiss. Gemäß dem […] Zeitungsartikel „WAZ Schlüsselregion“ wurden im November 2018 vom Verein „Schlüsselregion“ 42 hiesige Unternehmen befragt. Davon wollen 67% expandieren, das sind 28 Unternehmen. Von diesen 28 Unternehmen sind 64% an einem Umzug auf das Große Feld interessiert. Demnach verbleiben nur noch 18 Unternehmen, wobei “interessiert” noch nicht bedeutet, dass diese Unternehmen bereits die Absicht zum Umzug haben.
  • Soll für diese 18 interessierten Unternehmen die unwiederbringliche Zerstörung dieses ökologisch wertvollen Naturgebietes mit hochwertiger Bodenqualität Kauf genommen werden?
  • Wahrscheinlich wird die Ansiedlung auswärtiger Unternehmen wegen schlechter Verkehrsanbindung und wegen der topographisch bedingten hohen Baukosten nicht möglich sein. Es gibt zum Teil starke Hanglagen und unsichere Untergründe (Tunnelerosion) gemäß dem als […] Bodengutachten Dr. Botschek.
  • Unternehmen, die sich dort ansiedeln, werden sicherlich auch ihren Maschinenpark modernisieren, zum Beispiel durch automatische Maschinen und Roboter für Fertigung und Logistik, was bekanntlich einen deutlichen Verlust von Arbeitsplätzen zur Folge hat. Zudem hat die historische Entwicklung in Velbert gezeigt, dass ständig hiesige Unternehmen aus Kostengründen in Billiglohnländer abwandern und zum Teil dort produzieren oder sogar ihre Fabriken hier komplett schließen. Bestes Beispiel sind unsere einst so stolzen 8 großen Velberter Eisengießereien mit mehreren Tausend Arbeitsplätzen, die vollkommen verschwunden sind!

Gemäß dem offiziellen Wirtschaftsplan 2019 der Technischen Betriebe Velbert, Seite 28, VP.1721, siehe „TBV-Vermögensplan 2019“, werden die *Erschließungskosten* für Straßen und Kanal nur für das Jahr 2019 knapp *20 Mio. Euro* betragen. Diese (geschätzten) Kosten werden sich bis zum endgültigen Abschluss des Bauvorhabens erfahrungsgemäß noch deutlich erhöhen. Dabei ist noch nicht der Kaufpreis berücksichtigt, den die Stadt Velbert für das Große Feld bezahlt und finanziert hat.

Eine Kompensierung durch den Grundstücksverkauf wird nicht möglich sein, weil kein Investor ca. 200 Euro/qm für eine Gewerbefläche bezahlt.

Auf Seite 92 des Vermögensplanes 2019 der TBV ist die getrennte Behandlung von Regen- und Schmutzwasser dargestellt. Die erheblichen Kosten für die Schmutzwasserbehandlung sind nicht mit aufgeführt.

  • Sedimentationsbecken
  • Schachtbauwerk mit mindestens 2 leistungsstarken Pumpen oder sogar 2 Pumpengruppen
  • Erhöhter Korrosionsschutz gegen die durch Sulfide entstehende Schwefelsäure (biogene Korrosion)
  • Kanal zur Förderung der Abwässer über circa 40 Höhenmeter zum Industriegebiet Röbbeck
  • Fernwirkanlage zur Überwachung und Steuerung der Pumpstation vom  TBV-Gebäude aus

Die Gesamtsumme der tatsächlich entstehenden Erschließungs- und Finanzierungskosten kann leider nicht nach dem Verursacherprinzip auf die Grundstückskäufer umgelegt werden. Stattdessen sind diese Kosten über deutliche Gebührenerhöhungen von den Bürgern der Stadt Velbert zu zahlen.

Auch die deutlich höheren Kosten durch den ständigen Betrieb und die Wartung der Anlagen zur aufwändigen Schmutzwasserbehandlung werden auf die Abwassergebühren für alle Velberter Bürger umgelegt.

Das von der Stadt Velbert in Auftrag gegebene Verkehrsgutachten rechnet nach Umsetzung der Maßnahme mit 1700 Kfz mehr pro Tag, davon 600 Lkw. Hinzu kommt der Verkehr aus anderen Baumaßnahmen z.B. Kita Brangenberger Straße.

Die Langenberger Straße ist bereits jetzt in den Hauptverkehrszeiten extrem überlastet. Ein vierspuriger Ausbau ist wegen der engen Bebauung nicht möglich. Ebenso gibt es keine Alternative für eine Einbahnstraßenregelung.

Im aktuellen Lärmschutzkonzept der Stadt Velbert gilt die Langenberger Straße schon jetzt als Lärmschwerpunkt. es werden schon heute verkehrslenkende Maßnahmen gefordert um diesen Brennpunkt zu entlasten, zusätzlicher Schwerverkehr ist dort unbedingt zu vermeiden.

Die Lkw-Ströme verteilen sich nicht gleichmäßig. Schon heute fließt der Schwerverkehr fast komplett über die Langenberger Straße von und  zur Autobahnauffahrt Metallstraße. Die Rottberger Straße ist nur für den Schwerverkehr ins Essener Stadtgebiet interessant. Die geplante Ampelregelung an der Kreuzung Langenberger Straße/Bleibergstraße ist keinesfalls ausreichend.

Sie kann das zu erwartende Verkehrsaufkommen bei Stoßzeiten und angesichts der mehr als 10%igen Steigung der Bleibergstraße nicht bewältigen. Auch die Zufahrt vom geplanten Industriegebiet zur Bleibergstraße bildet aufgrund der Steigung einen Gefahrenschwerpunkt.

Die Straße war immer bei winterlichen Straßenverhältnissen durch liegengebliebene Fahrzeuge blockiert, die trotz Winterbereifung an der steilen Steigung nicht mehr anfahren konnten. Dadurch wurde auch der Linienbusverkehr erheblich behindert und gefährdet. Wenn in Zukunft eine rote Ampel den Verkehrsfluss zwangsweise stoppt, wird sich die Situation noch erheblich verschlimmern.

Bezugnehmend auf die Autobahnausfahrt A535 Velbert Nord Richtung Essen/A44 Heiligenhaus(die Ausfahrt ist seit Längerem für den Verkehr gesperrt, Ende offen) hatte das Land NRW bzw.Straßen NRW keine Hinweise darauf, dass hier unter dem Asphalt ein großer Bodeneinbruch entstehen würde. Die Verfüllung verursacht hier schon starke Probleme.- s. WAZ v. 27.06.2019.

Sie, sehr geehrte Ratsmitglieder, haben bereits durch Gutachten, Medienberichten und unser im Anhang beigefügtes Gutachten hinreichend Kenntnis über die Topografie des geplanten Gewerbegebietes “ Großes Feld“ erhalten.

So können Sie, sehr geehrte Ratsmitglieder, niemals sagen, wir haben davon nichts gewusst. Überlegen Sie sich bitte, sehr geehrte Ratsmitglieder, ob Sie diesem Gewerbegebiet Ihre Zustimmung geben. Was hinterlassen wir dadurch den nächsten Generationen (Kinder und Enkelkinder)??

Eine weitere unwiederbringlich zerstörte und versiegelte Naturfläche.

[…]

Mit freundlichen Grüßen

Helga Barnhusen

 

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