Stein- und Schottergärten greifen auch in Velbert um sich – mit schweren ökologischen Folgen!

Steine statt Pflanzen – auch in Velbert breiten sich Steingärten aus, mit vielen negativen Folgen! (Foto: Alexandra_Koch – pixabay.com)

Vielen gelten sie als modern, schick und vor allem pflegeleicht; die Rede ist von sogenannten Steingärten. Statt den eigenen Garten mehr oder weniger aufwendig mit Pflanzen zu gestalten, heißt es auch in Velbert immer öfter: Vlies rein, Steine drauf – und fertig. So verunziert grauer Schotter die Haupt- und Vorgärten, und tritt an die Stelle von saftigen Grünflächen und blühenden Rabatten. Eventuell gibt es hier und da noch einen Buchsbaum, mehr aber auch nicht. Welch trauriges Bild!

Die Vorteile liegen vermeintlich auf der Hand: Kein schweres Umgraben, kein lästiges Unkraut zupfen, kein Gießen mehr, und dabei immer ordentlich und adrett. Viele Eigenheimbesitzer machen sich leider keine Gedanken darüber, welche Auswirkungen diese Schotterwüsten auf die Tierwelt in der unmittelbaren Umgebung haben. Wo nichts blüht, da finden die ohnehin gebeutelten Bienen, Hummeln, Schmetterlinge usw. keine Nahrung. Des weiteren finden die Nützlinge keine Versteckmöglichkeiten vor Fressfeinden, und Vögel immer weniger Beute und Brutplätze. Man könnte auch sagen: Der Gesang der Vögel verstummte, der Garten ward wüst und leer. Für die Vogel- und Insektenwelt sind Steingärten also eine ökologische Katastrophe.

Auch für die Erbauer dieser Steingärten gibt es gravierende Nachteile. Beispielsweise erhitzen sich die Steingärten deutlich schneller und stärker als klassisch gestaltete Gartenflächen. Das kennt man von der gepflasterten Terrasse, auf der man nach der Mittagssonne nur noch mit Schuhen laufen kann. Hingegen ist die angrenzende Rasenfläche angenehm kühl. Die Steinflächen kühlen auch wesentlich langsamer ab und tragen so dazu bei, dass die Hitze des Sommertages auch noch in der Nacht unangenehm spürbar bleibt. Gemeinsam mit der  fortschreitenden Verdichtung und Bodenversiegelung in den Städten tragen diese negativen Auswirkungen noch zusätzlich zur Verschlechterung des sogenannten Mikroklimas bei.

Aber dafür sind Steingärten pflegeleicht – oder? Auch das stimmt nur bedingt. Zwar entfällt in den ersten Jahren das ungeliebte Auszupfen von Unkraut (zumindest wenn man ein geeignetes Vlies vorher ausgebracht hat), aber spätestens nach einigen Jahren haben sich genug Staub, Schmutz und Laub angesammelt, so dass sich auch hier Löwenzahn und Co. ausbreiten. Besonders aufwendig ist es, wenn sich Laub auf den Schotterflächen verteilt hat. Was im normalen Vorgarten einfach liegen bleiben kann, hinterlässt im Betongarten einen hässlichen und ungepflegten Eindruck. Zudem werden die Steine oft mit den Jahren grün von Algen. Somit wird nach einigen Jahren ein teurer und arbeitsreicher Tausch des Steingutes fällig. Unterm Strich haben also auch die Betongärtner eigentlich nichts gewonnen.

In vielen Städten regt sich bereits heftiger Widerstand gegen die Steingärten in privaten Vorgärten, die übrigens auch gerne Gärten des Grauens genannt werden. Es gibt bereits in etlichen Städten im Ruhrgebiet und Kreis Mettmann kommunale Satzungen, die die Ausbreitung der Steingärten verhindern sollen – übrigens parteiübergreifend.

Da es in Velbert ohnehin einen starken (städtisch organisierten) Drang zur rücksichtslosen Flächenversiegelung gibt (siehe etwa Moltke-Platz und Platz Am Offers), wollen wir auch für unsere Stadt eine „Kommunale Satzung zur Gestaltung von Vorgärten“, damit Flora und Fauna künftig geschützt sind. Daher haben wir für den nächsten Umwelt- und Planungsausschuss, einen entsprechenden Antrag vorbereitet, nach dem es künftig keine solchen Steingärten in Neubaugebieten mehr geben soll. Bereits vorhandene Steinwüsten bleiben davon verschont, hier hilft nur ein Appell an das ökologische Gewissen. Nicht im klassischen Sinn eines Verbotes – sondern im Sinne einer aktiven Nachhaltigkeit für Mensch und Natur.

Hier unser Antrag: Antrag Steingärten

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