Kommentar im SuperTipp: „Jedes Jahr 50 Millionen Euro“ – Offener Brief der Bürgerinitiative dazu

Der Motivwagen der Bürgerinitiative vom Rosenmontagsumzug

Zur Demonstration gegen das geplante neue (Anm. der Red.: völlig unsinnige und menschenfeindliche) Industriegebiet „Große Feld/Langenberger Straße“ veröffentlichte der SuperTipp in seiner Ausgabe vom 16. März 2019 einen Kommentar von Redakteur Hans-Joachim Kling. Hier geht es zum Kommentar (ePaper Supertipp vom 16.03.2019).

Dazu nimmt die Bürgerinitiative Große Feld Velbert in einem offenen Brief Stellung:

Sehr geehrter Herr Kling,

herzlichen Dank für Ihren Kommentar in der heutigen Ausgabe, in welchem Sie die Position der Wirtschaftsförderung der Stadt Velbert aufs Vortrefflichste teilen.

Gern bereichern wir Ihre Ausführungen um einige Fakten und Argumente aus unserer Sicht.

Es ist sicher richtig: Die Stadt Ratingen erzielt ein Vielfaches der Gewerbesteuereinnahmen der Stadt Velbert. Ein sorgfältiger Journalist hätte vielleicht auch erwähnt, dass die Stadt Ratingen unmittelbar an Düsseldorf angrenzt, und deshalb seit Jahrzehnten vom Speckgürtel profitiert. Auch verfügt Sie über zahlreiche hervorragend geeignete Flächen, welche die Ausweisung von Gewerbegebieten ermöglichen. Sie haben richtig erkannt, dass das Bergische Land bergig ist, und es deshalb wenige Möglichkeiten gibt neue Gewerbegebiete auszuweisen. Richtig ist sicher ebenfalls, dass Velbert keine Zuganbindung hat und auch die Autobahnanbindung nicht annähernd mit Ratingen vergleichbar ist. Ein Vergleich der beiden Städte entbehrt also jeder vernünftigen Grundlage.

Velbert muss sich wirklich um seine Zukunft sorgen. Die Spatzen pfiffen es schon lange von den Dächern, und in dieser Woche war es auch der Zeitung zu entnehmen: Huf wird im großen Stil Arbeitsplätze abbauen. Herr Löbbert hatte dies noch im Sommer deutlich dementiert. Angesichts der Subventionspolitik der EU kommt diese Abwanderung ja auch nicht unerwartet. Es werden noch weitere folgen. Auch ein Industriegebiet Große Feld wird daran absolut nichts ändern! Da helfen auch keine PR-Kampagnen des Industrieverbandes der Schlüsselregion, dessen Geschäftsführer von der Stadt Velbert, also von unseren Steuergeldern bezahlt wird.

Deshalb ist unsere Forderung schon lange, dass Velbert gerade im Wettbewerb neue Wege gehen muss. Hier hat die besonders CDU-dominierte Stadtpolitik über Jahrzehnte geschlafen. Man hat keinerlei Konzepte entwickelt, die den örtlichen Gegebenheiten Rechnung tragen. Statt kostbare Gewerbeflächen zurückzugewinnen, hat man z.B. beim Woeste-Gelände lieber dem Alteigentümer ermöglicht, mit der Wohnbebauung auf belastetem Grund Kasse zu machen. Es fehlt jegliches Entwicklungskonzept. Statt dessen ist man bereit, die letzten Kleinodien zu opfern, die Stadt vollends zu entseelen.

50 Millionen Euro Steuereinnahmen werden angepeilt. Lieber Herr Kling, machen Sie Sich doch einmal die Mühe und rechnen nach, wie hoch die aktuelle Einnahmen der Stadt pro Quadratmeter Gewerbegebiet sind. Sie werden erstaunt sein, wie gering der Betrag ist. Vielleicht eine gute Gelegenheit die Milchmädchenrechnung der Stadt zu hinterfragen. Sehen Sie Sich statt dessen doch die Erschließungskosten, die allein im ersten Jahr über 20 Mio € liegen und die insgesamt die von Ihnen genannten 50 Millionen leicht überschreiten werden, einmal genauer an. Diese Investition soll dann auch noch in ein Gelände erfolgen, dessen nahezu gesamte Oberfläche abgetragen und remodelliert werden muss. Die Investoren dürfen über Pfahlgründungen nachdenken, um abrutschsicher zu bauen!

Statt gigantischer Einnahmen für die Stadt sind also höhere Gebühren für die Bürger zur Schuldentilgung und ein Finanzdesaster zu erwarten. Deshalb werden wir uns weiter gegen das Industriegebiet Grosse Feld wenden und ein vernünftige zukunftsorientierte Stadtentwicklung für Velbert fordern. Hiervon lassen wir uns auch nicht abbringen, wenn wir weiter als Häufchen egoistischer Nachbarn oder als weltfremd diffamiert werden.

Velbert hat eine große Zukunft vor sich, wenn erst einmal die Potentiale von Stadt und Landschaft nachhaltig genutzt und erschlossen werden, anstatt die Kungelei zum Geschäftsprinzip zu erheben!

Übrigens: die Abholzung des Amazonas bedauern und daheim hemmungslos Flächen versiegeln? Das ist es nicht, was wir unseren Kindern hinterlassen möchten!

Lieber Herr Kling, wir stellen uns jederzeit Ihren kritischen Fragen, möchten Sie aber schon herzlich bitten, die Gelegenheit künftig auch wahrzunehmen! Einstweilen haben Sie mit Ihren Ausführungen unseren Kampfgeist maximal belebt.

Mit freundlichen Grüßen

Artur Busse
1. Vorsitzender Bürgerinitiative Große Feld Velbert e.V.

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