Eine Stellungnahme: Zur aktuellen Lage der Schulen im Sekundarbereich

(Foto: moritz320 – pixabay.com)

Zunächst: Es ist nicht das grundlegende Ziel von Schulpolitik, Schulen zu schließen. Gerade bei Schulen, die gut funktionieren, muss hier ein Abwägungsprozess stattfinden. Und sowohl die Martin Luther-King-Schule wie auch die Realschule Kastanienallee leisten hervorragende Arbeit, ebenso wie die aufgelöstem bzw. in Auflösung befindlichen Schulen in Nerviges.

Allerdings darf man auch nicht den Fehler machen, bestehende Strukturen nicht anzutasten, wenn sich die Gesellschaft ändert. Die Elternbefragung, die immerhin durch eine große Mehrheit im Rat getragen wurde, hat deutlich gemacht, dass zwei Schulformen von sehr vielen Eltern für ihre Kinder gewollt werden: das Gymnasium und die Gesamtschule. Gymnasialplätze gibt es in Velbert genug, die bestehende Gesamtschule ist überlaufen. Aber nur etwa 10 Prozent der Eltern wollen auf eine Realschule, auf die Hauptschule will quasi niemand mehr.

Dieser Elternwille ist nicht diffus, wie die Stellungnahme der Martin-Luther-King Schule und der Realschule Kastanienallee behauptet. Dieser Elternwille ist klar.

Damit ist nicht gemeint, dass die Hauptschule im bestehenden dreigliedrigen Schulsystem nicht mehr gebraucht wird. Sie hat dort aber nicht mehr die Rolle, die sie noch in den 80er Jahren spielte, nämlich als Schulform der ersten Wahl zu dienen. Die Hauptschule ist zu einer Schulform geworden, die die Schüler abfängt, die auf den Gymnasien und Realschulen nicht mitkommen – hierfür hat sich der Begriff „Abschulen“ eingebürgert. So ist quasi jeder Schüler, der dort landet, entweder auf einer anderen Schule abgelehnt worden – oder hat eine andere Schulform nicht mit Erfolg absolvieren können.

Es ist aber nicht einzusehen, dass für eine Schule, die primär die abgeschulten Kinder aus den anderen Schulen des dreigliedrigen Schulsystems aufnimmt, keine andere Schule gegründet werden sollte. Stattdessen würde eine zweite Gesamtschule erlauben, dass alle Kinder auf diese Schule gehen können. Ein Abschulen aufgrund schlechter Noten findet in dieser Schulform grundsätzlich nicht statt. Die Situation würde also für die Kinder besser.

Problematisch wird dann höchstens die Frage, was mit den Kindern geschieht, die im dreigliedrigen Schulsystem abgeschult werden. Wenn diese Platz an der Gesamtschule finden können, wäre dies zu bevorzugen. Andererseits kann es nicht das Ziel der Gesamtschule sein, die von vornherein integrativ arbeitet, die Schülerinnen und Schüler aufzunehmen, die das dreigliedrige (dann zweigliedrige) Schulsystem nicht mehr haben will. Hier ist von den bestehenden Schulen (Gymnasien und Realschulen) dann zu fordern, dass diese eigene Klassen für diese Schüler einrichten und diese dort beschulen, wenn es keine anderen Plätze mehr gibt.

Wir möchten die Schullandschaft in Velbert für die Zukunft fit machen. 80 Schülerinnen und Schüler, die nicht den gewünschten Platz bekommen, sind Grund genug, das zu tun. Die Entwicklung ist seit Jahren überfällig, wird von verschiedensten Seiten aus verschiedensten Interessen heraus torpediert – und wäre dann aber das, was weiterhilft.

Darum stehen wir zu unserem Entschluss, die Gründung einer zweiten Gesamtschule voranzutreiben.

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