Abstimmung mit den Füßen: Zweite Gesamtschule für Velbert muss her!

Zweite Gesamtschule für Velbert muss her!

(Bild: André Feist-Lorenz)

Es ist nur schwer nachvollziehbar, warum der Wunsch vieler Velberter Eltern und Schüler seit Jahren schlichtweg ignoriert wird. Jahr für Jahr melden sich an der bislang einzigen Gesamtschule in Velbert fast doppelt so viele Schüler an wie aufgenommen werden können. Alljährlich müssen dutzende Fünftklässler auf ungeliebte“ Ausweichschulen wechseln. So sind beispielsweise 31 von 61 neuen Schülern der Martin-Luther-King-Hauptschule abgewiesene Gesamtschüler, bei der Realschule Kastanienallee sind es 43 von 103. Gar nicht abzuschätzen ist die Anzahl der Schüler, die gleich in eine der Nachbarstädte ausgewichen sind. Das ist keine Ausnahme, sondern seit Jahren immer wieder gelebte Realität. Der Wunsch vieler Eltern und Schülern ist verständlich, denn an einer Gesamtschule bestehen deutlich bessere Chancen auf einen erfolgreichen Schulabschluss. Gerade Spätstarter, die vielleicht nicht zu den leistungsstärksten Grundschülern gehört haben, erreichen oftmals dank des pädagogischen Konzeptes der Gesamtschule einen höheren Schulabschluss als an Real- oder Hauptschule möglich ist. Die Gesamtschule bietet die größte Wahlfreiheit bei der Gestaltung des schulischen Werdegangs.

Was im jährlichen Anmeldeprozess längst deutlich ist, hat nun auch die Beraterfirma „Biregio“ im Auftrag der Gemeindeprüfanstalt (GPA) ermittelt. Deren Urteil ist eindeutig: „Man kann nicht langfristig auf die Hauptschule setzen“, so Biregio-Berater Wolf Krämer-Mandeau. Die Ergebnisse einer Elternbefragung von Dritt- und Viertklässlern lassen an der künftigen Ausrichtung der Sekundarschulen keinen Zweifel: Danach entscheiden sich nur noch weniger als 10% eines Jahrgangs für die Hauptschule, 18% für die Realschule und 40% für das Gymnasium. 70% der Befragten würden ihr Kind gern an einer zweiten Gesamtschule anmelden, wenn es diese vor Ort gäbe. Der Grund ist für Krämer-Mandeau klar: „Die Eltern wollen Systeme, die alle Chancen bieten“.

Allerdings kann eine zweite Gesamtschule nur realisiert werden, wenn dafür eine Hauptschule aufgegeben wird. Ist das wirklich so ein Opfer?

Die Hauptschule ist

  • eine Schulform, die fast zur Hälfte aus Schülern besteht, die hier eigentlich gar nicht hin wollen.
  • eine Schulform, die leider längst nicht bei allen Schülern in einer beruflichen Ausbildung mündet, sondern in nachschulischen Warteschleifen auf Berufskollegs oder anderen Qualifizierungsangeboten.
  • eine Schulform, die wie keine andere mit Vorurteilen und Stigmatisierungen aus Wirtschaft und Gesellschaft zu kämpfen hat.

Nun wird es höchste Zeit für ein zukunftsfähiges Konzept, das endlich die Wünsche von betroffenen Eltern und Schülern berücksichtigt: Chancen für alle, Zukunft für Velbert – mit der zweiten Gesamtschule!

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